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Jozef Minarik ? ein Abwehr-Titan


Do, 02.08.2012

Auch an diesem internationalen Turnier können die Rebells auf die Dienste vom Slowaken Jozef Minarik zählen. Der momentan wohl beste Defensiv-Verteidiger Europas gibt im Interview Auskunft über seine Person und wieso er nach wie vor Respekt von der Schweizer Streethockeynationalmannschaft hat.

Du hast bereits einmal für die Rebells gespielt. Trotzdem kennen wir dich noch wenig. Was macht Josef Minarik, wenn er nicht Streethockey spielt? 

JM: Sport ist mein Leben, daher spiele ich neben dem Streethockey noch aktiv Fussball für eine kleine Mannschaft aus Bratislava in der dritthöchsten Liga.
Beruflich bin ich ausgebildeter Physiotherapeut. In Bratislava, meiner Heimatstadt, habe ich 2002 meinen Bachelor-Abschluss an der Universitat gemacht. Danach musste ich zehn Monate Zivildienst leisten. Im Anschluss arbeitete ich als Therapeut bei einem privaten Arzt. Im April 2005 habe ich eine neue Herausforderung gesucht und einen Job in Österreich angenommen. Dort arbeite ich nun in einem 4-Sterne-Hotel in Bad Schönau.

Sprichst du daher so gut Deutsch?

JM: Was soll ich dazu sagen...? Ich lerne Deutsch seit ich drei Jahre alt bin. Auch schon vor und während der Schule sowie an der Uni war ich ständig mit der deutschen Sprache konfrontiert. Ich musste jedoch schnell merken, dass die Sprache in der Schule sich um einiges vom eigentlichen Deutsch unterscheidet - vor allem in der Aussprache. Dass ging vermutlich schon vielen so. Natürlich haben mir die sieben Jahre in Osterreich sehr viel gebracht (schmunzelt).



Mit welchem Team spielst du normalerweise und wieso hat es sich nicht für den Europa Cup qualifiziert?

JM: Ich spiele für LG Doprastav Bratislava schon seit meinem 18. Lebensjahr. Bereits letzte Saison hatten wir Spielermangel zu beklagen. Einige Spieler beendeten ihre Karriere oder wechselten zum neuen Topteam Nitriansky Rytiery. Das führte dazu, dass es auch innerhalb des Teams zu Problemen kam. Immer mehr hatten wir Ausfälle wegen Verletzungen und Krankheiten zu beklagen, zudem stimmte die Kommunikation nicht mehr. Mittlerweile muss ich eingestehen, dass wir eine Teilnahme gar nicht verdient hätten.

Erzähl uns mehr von der Slowakischen Liga.

JM: In der letzten Saison nahmen dreizehn Teams in der höchsten Liga teil. Daher hatten wir insgesamt 24 Spiele zu bestreiten. Hinzu kamen die Playoff-Spiele. Wir spielen immer „Best of five“. Das kann im Extremfall zu vielen Partien führen - eine grosse Belastung. Bei uns spielen mehrere starke Teams um den Titel. Neben uns sind die Vereine von Ruzinov, Martin und Kezmarok sehr erfolgshungrig. Trotzdem wurde die Meisterschaft in den beiden letzten Jahren von HBK Nitriansky Rytiery gewonnen. Das ist momentan die stärkste slowakische Mannschaft, die übrigens in Villach vertreten sein wird.



World Cup 2011 in Pilsen. Was geht dir durch den Kopf?

JM: Pilsen 2011... Ich habe immer noch Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke. Es ist und bleibt unvergesslich in meiner Karriere. Alles war perfekt. Jeder Spieler von uns hat alles gegeben. Das unglaubliche Halbfinale gegen den Lokalmatador Pilsen und das fantastische Finale gegen Belpa - ich werde das Turnier nie vergessen. An dieser Stelle nochmals ein grosses Dankeschön an unser Team. Eines müssen wir uns jedoch bewusst sein. Ein Titel zu gewinnen ist das eine, ihn zu verteidigen wird die grössere Herausforderung. 

Wieso haben die Oberwil Rebells dieses Turnier gewonnen?

JM: Die Oberwil Rebells haben ein super Team dank einer wichtigen Zusammensetzung. Fantastische Torhüter, junge, schnelle Spieler ohne Angst vor dem Gegner und ältere Spieler mit Erfahrung und viel Übersicht. Natürlich darf ich einen wichtigen Punkt nicht vergessen. Das Team wurde von Tibor Kapanek hervorragend taktisch eingestellt.



Wieso schafft Oberwil den Anschluss und die Schweizer Nati hat immer noch Mühe im Vergleich zur Slowakei?

JM: Unsere Nationalmannschaft nimmt die Spiele gegen die Schweiz sehr ernst. Für uns ist die Nation eine sportliche Zeitbombe, wo niemand weiss, wann sie explodieren wird. Wir schauen uns immer alle Spiele an und haben grossen Respekt. Wir wollen genau wissen, wo sie gefährlich sind, wo sie den Ball über die Linie bringen und wie sie Powerplay spielen.
Für mich ist klar, dass Spiele mit der Nati schwieriger sind, da man mit den Jungs nicht so viel Zeit auf dem Platz verbringt. Zudem leidet man an einer Weltmeisterschaft unter mehr physischem und psychischem Druck. Die Anweisungen muss man von einem Trainer entgegen nehmen, den man nicht so gut kennt. Das ist, meiner Erfahrung nach, anspruchsvoller.
Ich bin jedoch der Überzeugung, dass die Schweiz mit grossen Schritten nach vorne marschiert. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sie um Medaillen spielen wird.

Welcher internationale Verteidiger spielt neben dir, wenn du frei wählen könntest?

JM: Meine erste Wahl ist Marian Giba. Der ehemalige Nationalmannschaftscaptain hat schon Jahre mit mir bei LG Doprastav gespielt. Wir müssen während dem Spiel nicht mehr miteinander sprechen. Wie sagt man so schön: „Ein Blick sagt mehr als tausend Worte“.
Falls er nicht mehr zur Verfügung steht, wünsche ich mir Tibor Kapanek zurück. Er ist ein kompakter Verteidiger mit hervorragender Übersicht, scharfem Schuss und einem guten Zweikampfverhalten.



Die Slowakei braucht einen neuen Captain. Bist du ein Kandidat?

JM: Dafür ist es noch zu früh. Während einiger Testspiele vor der WM 2011 hatte ich bereits die Ehre. Da Giba als aktueller Captain zurückgetreten ist, werden die Karten neu gemischt. Die Nati muss sich auf einen Mann einigen, der Verantwortung übernehmen und den Teamgeist aufbauen kann. Gegenseitiger Respekt im Team ist enorm wichtig. Es wäre eine riesige Ehre für mich, die Rolle als Captain übernehmen zu können. Ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben. Ausserdem hoffe ich, dass mich Giba gut ausgebildet hat (schmunzelt).

Jojo, vielen Dank für das Interview. Viel Erfolg.

 

 

Autor Die Redaktion

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