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Das Schicksal des Dominik Bein


Do, 21.09.2006

Wo sture Gewalt Leben zerstört


Leider ist es brutale Tatsache, kein Videospiel und auch kein knallharter TV-Thriller. Die Vorkommnisse vom 26. April 2003 in Frauenfeld, als von mutmasslichen Jugendlichen aus der rechten Szene ein bis vor kurzem in Wilen wohnhafter Jugendlicher und sein Kollege brutal zusammengeprügelt wurden, haben wohl Folgen, die den schwer verletzten Dominik Bein für sein Leben zeichnen werden. Dominik und seine Mutter dürfen ? nun als kleiner Silberstreifen am Horizont ? auf eine ins Rollen gekommene Nachbarschaftshilfe zählen, welche zumindest die finanziellen Nöte lindern hilft. Die physischen und psychischen Schäden werden wohl kaum mit Geld heilbar sein. Sie werfen einmal mehr die Frage nach dem Wert von Leben in gewissen Gesellschaftskreisen grundsätzlich auf.

Passiert ist es gegen 23 Uhr, als sich die beiden Kollegen von einem Konzert im Frauenfelder ?Eisenwerk? wohl auf den Heimweg zum Bahnhof begaben. Die beiden Jugendlichen haben nach der einseitigen Prügelei noch selber aufstehen können und haben sogar selber die Polizei alarmiert, wurden aber nicht ganz Ernst genommen. Sie sind dann von Passanten auf Grund ihres Zustandes und Verhaltens angesprochen und sofort zum Arzt und dann ins Frauenfelder Spital gebracht worden. Während sich der Gesundheitszustand des 17-jährigen Freundes nicht so gravierend erwies, nahm der Verlauf bei Dominik (15) lebensbedrohliche Ausmasse an. Während des Sonntags, 27. April, verschlechterte sich der Zustand von Dominik Bein dermassen, dass er notfallmässig mit dem Helikopter ins Kinderspital Zürich überführt werden musste. Es wurden schwerste, zum Teil nicht klar definierbare Kopfverletzungen festgestellt, die von brutalen Schlägen herrührten. Nur ein blitzschneller Eingriff rettete ihm das Leben.

Täter aus rechten Kreisen

Die Vermutungen, dass die Täterschaft aus der rechten Szene stammen würde, hatten sich erhärtet. Es wurde angenommen, dass die Opfer, welche an einer Ska-Party, die eher dem linken Spektrum der Unterhaltungsszene zugeordnet wird, von den pöbelnden Jugendlichen aus der rechten Szene grundlos und brutal zusammengeknüppelt wurden. Sieben Schweizer im Alter von 18 bis 23 Jahren wurden inzwischen verhaftet und sind zum Teil auch geständig. Wie vermutet, stammen sie aus dem rechten Spektrum. Bei einer bewilligten Demonstration für die Opfer in Frauenfeld beteiligten sich etwa 300 Mitfühlende. Rund 30 mit Hakenkreuzen tätowierte Neonazis mischten sich ein. Prompt flogen Pflastersteine und Schimpftiraden auf tiefstem Niveau wurden skandiert.

In der Rehabilitation

Für längere Zeit war Dominik Bein im Koma und er schwebte in Lebensgefahr. Inzwischen wurde er am Hirn operiert, um weitere Komplikationen auszuschliessen und für Domnik eine Basis zu schaffen, wieder ins normale Leben zurückkehren zu können. Dies allerdings nur mit sehr viel Geduld und aufwändigen Therapien. Dominik kann zur Zeit nur mit Hilfe Dritter gehen, muss einige seiner normalen Funktionen wieder von Grund auf neu erlernen und kann sich auch nur sehr schwer verständlich äussern. Er ist auch nicht in der Lage Bilder und Begriffe auf Memory-Karten richtig ein- und zuzuordnen. Ob die Verletzungen und die nötige, lebenswichtige Hirnoperation schwere Schäden hinterlassen werden, kann noch nicht abschliessend beurteilt werden.

Das brutale Schicksal von Dominik Bein trafen nicht nur Verwandte, Kollegen und Nachbarn, sondern die ganze Schweiz.
In zahlreichen Zeitungsartikeln und Fernsehsendungen wurde stets über den Gesundheitszustand von Dominik berichtet.

Jüngst wurden 6 der 7 Täter (der eine begieng Selbstmord im Gefängnis) das Strafmass für diesen äusserst überharten Gewaltakt gerechterweise erhöht.

Autor Marc Nömitz

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