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Interview mit NLB-Coach Daniel Rast


Mo, 06.08.2007

Dani, was wiegt grösser, die Freude über den Vize-Meister-Titel, oder den Frust über die verpasste Chance, Meister zu werden?
Im ersten Moment war der Frust grösser. Aber nach einigen Wochen obwiegt die Freude, aber mehr über den Fortschritt, als über den Vize-Meister-Titel.

Wie sieht es das Team?
Auch bei ihr war der Frust anfänglich gross. Aber kurz darauf erfolgte die Freude über das Erreichte. Die Mannschaft war stolz darauf, bis zum Schluss um den Titel mitspielen zu können.
Die Erwartungen wurden weitaus übertroffen.


Inwiefern war der SHC La Chaux-de-Fonds besser?
Über alle drei Blöcke verfügten sie über ein ausgeglichenes Kader. Sie konnten sich in entscheidenden Phasen steigern, und waren schlussendlich das bessere und reifere Team.

Was ist mit den Edelreservisten von den Oberwil Rebells zu erreichen? Oder anders formuliert, was traust du dem Team zu?
Dass sie ihre Leistung aus dieser Saison bestätigen können, und dass sie weiterhin vorne mitspielen wird in der NLB

Mit oder ohne Daniel Rast als Headcoach?
Natürlich mit!!
Es war toll, wie ich in Oberwil von allen Spielern und Funktionären aufgenommen wurde. Ich habe mich von Anfang wohlgefühlt.

Du siehst deine Zukunft weiterhin in Oberwil?
Unbedingt. Das Umfeld, die Spieler und der Ehrgeiz, dieses Team mit dem grossen Potenzial weiter zu bringen, lassen einem nicht mehr los.
Nach den jüngsten Vorfällen in Cham habe ich meine Freude und Motivation in Oberwil wiedergefunden.
Dafür bin ich dem Verein dankbar. Ich bin im Herzen ein überglücklicher Rebell geworden. Das hätte ich vor einem Jahr noch kaum für möglich gehalten

Du kamst anfangs Januar zu den Rebells. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?
Die Verantwortlichen der Red Bears schienen kein Vertrauen mehr zu haben, und stellten mich als Trainer der 1. Mannschaft frei. Und das ganze mit fadenscheinigen Argumentationen. Zwar wollte man mich als Junioren-Coach weiter beschäftigen, aber da ich das Amt bereits vor 2 Jahren abgeben wollte, und nur mangels Alternative die Junioren weiter betreute, war dies für mich auch kein Thema mehr. Erst recht nicht, als man mich seitens der Oberwil Rebells kontaktierte.
Ich hatte die Möglichkeit, in einem Verein mitzuwirken, die mich unbedingt wollten, und anderseits gab es ein Verein, der um mein Mitwirken nicht sonderlich bemüht mehr war.
Da fiel die Entscheidung nicht sonderlich schwer.

Gab es ein je paar wehmütige Momente betreffend dem Wechsel?
Nein, zu keiner Zeit. Obwohl ich beinahe ein Urgestein der Red Bears bin, und viel Energie und Zeit in diesen Verein investiert haben.
Selbstverständlich schaue ich immer noch Richtung Cham, um zu sehen, wie sich der Verein entwickelt, aber genau dies gibt mir die Gewissheit, dass mein Wechsel das Richtige war.

Etwas konkreter bitte?
Es fängt in der Führung des Vereins an. In Oberwil nimmt jeder seine Aufgaben ernst, und erfüllt seine Ressourcen. Man hat richtige Leute in wichtigen Positionen, und jeder reisst sich da den Allerwertesten auf.
Die Spieler in Oberwil nehmen die Sportart ernst, und sind mit voller Leidenschaft dabei. Die Leidenschaft, die Einstellung zum Sport und vor allem die Bereitschaft, Opfer erbringen zu müssen für den Verein und unsere Sportart, ist um einiges höher. In Oberwil will jeder etwas erreichen.
In Cham vegetiert alles vor sich hin, man hadert mit sich selber, und ist nicht gewillt, die nötige Zeit auf sich zu nehmen, um etwas erreichen zu wollen. Kurz gesagt, man will nicht für den Erfolg hart arbeiten. Egal ob im Vorstand oder bei den Spielern.
Ein kleines Beispiel: In der 1 Mannschaft der Red Bears hatte ich im Durchschnitt 8 Spieler. In Oberwil habe ich bis zu 18 Spieler, und alle haben ein Ziel, den gemeinsamen Erfolg

Wie unterscheiden sich die beiden Verein mental voneinander?
In Oberwil ist das Interesse in den Teams zueinander grösser. Man kommt die Spiele der anderen Teams schauen, sogar in den Trainings.
In Oberwil herrscht das grössere Selbstbewusstsein, und der Ehrgeiz scheint schier grenzenlos.
Begünstigt durch den anhaltenden Erfolg ist natürlich auch die Lockerheit weitaus grösser, ohne dabei die Konzentration zu vernachlässigen.

Durch welche Umstände könnte eine Besserung in Cham eintreffen?
Die Spieler müssten Prioritäten setzen. Sie haben diese Sportart als Hobby ausgewählt, und nun sollten sie diese auch ernst nehmen. Die Trainingspräsenz ist wichtig, die Loyalität muss unbedingt vorhanden sein, und die Opferbereitschaft sollte erhöht werden.
Im Vorstand fehlt es an der Umsetzung der Ideen. Oder auch an den ausführenden Organen. Nicht alle Positionen sind optimal besetzt. Vielleicht fehlt es auch an Alternativen im Verein oder im direkten Umfeld.

Was sind deine Ziele in Oberwil?
Eine möglichst grosse Breite des Leistungsniveau halten zu können.
Ich möchte die möglichst grosse Anzahl Spieler für die 1. Mannschaft formen und ausbilden. Sie auf das Niveau der NLA bringen. Dazu bedarf es, dass wir weiterhin vorne mitspielen in der NLB.

Persönlich möchte ich ein tragendes Element im Verein sein. Ich möchte meinen Beitrag zu einem erfolgreichen Vereinsleben leisten, und diesbezüglich auch den Sport weiterbringen.
Kurz gesagt, ich will eine grosse Stütze des Vereins werden.

Du verstehst dich sehr gut mit Spielertrainer der 1. Mannschaft Patrick Wismer. Ihr habt eine langjährige Zusammenarbeit in Cham hinter euch. In wie fern ist dies wichtig für die weiter Zusammenarbeit in Oberwil?
Sehr wichtig. Wir praktizieren praktisch das gleiche, wenn auch nicht auf gleichem Leistungsniveau. Die 1. Mannschaft in Oberwil spielt ohnehin in einer anderen Liga, fern von allen Vereinen in der Schweiz. Ein Teil davon will ich unbedingt in die 2. Mannschaft überbringen.

Die erste Mannschaft räumt schweizweit momentan alles ab. Was traust diesem Team noch alles zu? Stichwort Europa Cup:
Wenn man den letzten Europa Cup betrachtet, scheint alles möglich. Aber gleichzeitig waren die beiden letzen Turniere ein Warnschuss für die Teams aus der Slowakei und Tschechien. Einfacher wird es bestimmt nicht dieses Jahr.
Aber grundsätzlich sind die Chancen durchaus intakt, und nicht mal abwegig.

Noch ein letztes Wort an dein Team und dein Verein.
Ans Team: Vielen Dank für das schöne halbe Jahr. Es ist wunderbar was wir erreicht haben, und wir dürfen zurecht stolz darauf sein, und diese erfolgreiche Saison in guter Erinnerung geniessen. Aber wir haben noch grosse Ziele vor uns. Also lasst uns weiterhin hart arbeiten, und zusammen Spass haben.
An den Verein: Bleibt am Ball, ruht nicht in der Vergangenheit, und schreitet weiterhin wacker voran. Wir sind auf dem richtigen Weg.
Stagnation ist eine Untugend, die weder dem Verein noch der Sportart nützt. Ich werde bemüht sein, meinen Beitrag dazu zu leisten.

Autor Michael Häusler

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